Bild des Tages: Hokusai – The Great Wave

Der japanische Maler Katsushika Hokusai lebte von 1760 bis 1849. Sein bekanntester Farbholzschnitt The Great Wave oder Die große Welle vor Kanagawa entstand um 1830 und gehört zu der Serie 36 Ansichten des Berges Fuji, welcher der höchste und heiligste Berg Japans ist.

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Das Bild zeigt eine stürmische See, mittendrin befinden sich drei Boote. Heraus ragt eine riesige Welle, die fast bis zum Himmel reicht. Der Schaum an deren Spitze kräuselt sich wie die Klauen eines Drachens und droht die Boote unter sich zu begraben. Die Menschen darauf sind den Wellen schutzlos ausgeliefert, aber sie kämpfen nicht dagegen an, sondern sie unterwerfen sich den natürlichen Bewegungen des Wassers. Im Hintergrund der bewegten Szene steht ruhig und still der Berg Fuji. Der schneebedeckte Gipfel ist noch umhüllt vom Nebel der Nacht, während sich das erste Licht der Tages bereits ausbreitet.

The Great Wave symbolisiert drei Elemente: das Göttliche, das Menschliche und das Natürliche. Der Kontrast zwischen Licht und Dunkel sowie der weltlichen und himmlischen Kraft steht für yin und yang. Hokusais Anerkennung für die menschliche Arbeit kommt im Bild zum Ausdruck. Wenn die tägliche Schinderei ihren Tiefpunkt erreicht hat, wird der Mensch emporgehoben bis zum Gipfel. Das Leben gleicht somit einer Wellenbewegung. Ebenso zeigt sich seine Liebe zur Natur und das Bewusstsein ihres göttlichen Geistes. Die Kraft der Natur strahlt Erhabenheit aus, sie ist schön und schrecklich zugleich und soll Ehrfurcht erwecken. Es geht nicht darum, die Natur zu dominieren und auszubeuten, wohin die westliche Kultur tendiert – mit furchtbaren Konsequenzen, sondern sie zu schätzen, und sich ihrem Rhythmus anzupassen.

Die scheinbare Einfachheit der Zeichnung mit ihren wenigen, bis auf das Blau des Wassers eher flachen Farben ist verbunden mit dem tiefen Sinn des Bildthemas. Die starke Wirkung von The Great Wave verbreitete sich bis in die westliche Welt und inspirierte vor allem die Impressionisten bei ihrer Suche nach neuen Ausdruckmöglichkeiten.

(Textquelle: Gian Carlo Calza, Hokusai, Phaidon Press, 2010)

(Bildquelle: https://commons.wikimedia.org)