Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker

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Radetzkymarsch, Die Kapuzinergruft und Hiob – Werke des bedeutenden österreichischen Schriftstellers und Freundes von Stefan Zweig, Joseph Roth. Roth wurde am 2. September 1894 in Ostgalizien geboren und verstarb 1939 in Paris.

Viele sind mit Joseph Roths Arbeit vertraut, wissen über seinen Reisejournalismus ebenso gut Bescheid wie über seine Sehnsucht nach Heimat und Monarchie. Diejenigen die seine Romane noch nicht kennen, lassen sich all zu oft von Roths politisch anmutenden Inhalten einschüchtern. Abgesehen von seinen großen Werken sticht eine „unscheinbare“ Novelle aus seinem Schaffen heraus: Die Legende vom heiligen Trinker. Posthum 1939 erschienen, führt einen die Legende ganz nah an die letzten Selbstbeobachtungen Roths heran. Grob umrissen handelt die Novelle von einem Trinker dem seine letzten Tage durch so einige Wunder versüßt werden. Die Handlung spielt in Paris, wo der Protagonist unter den Brücken der Seine nächtigt. Roth, selbst starker Alkoholiker und zuletzt wohnhaft in Paris, bannt den Leser mittels seiner größten Gabe: Er findet die schönsten Worte und bildet mit ihnen die schönsten Sätze. Der Schlusssatz der Novelle „Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!“, kann als Hoffnung, als Bitte oder doch als Vorahnung gedeutet werden. Roth selbst starb an einer Lungenentzündung, die auf den abrupten Alkoholentzug während seines Krankenhausaufenthalts zurück zu führen ist.

Der Herbst steht schon fast vor der Tür und wer an einem verregneten Nachmittag auf unerklärliche Weise berührt werden möchte, sollte Roths letzte Novelle lesen. Sein letztes Werk eignet sich besonders gut für alle Roth-Erstleser. Inhaltlich sehr anders als viele seiner Romane, bietet die Novelle aber Schreibkunst und Sprachschönheit auf einem Niveau dem nur Joseph Roth gewachsen war. Die Novelle wurde zwei Mal verfilmt (1963 und 1988).

Im Stefan Zweig Center auf dem Salzburger Kapuzinerberg sind Briefwechsel zwischen Roth und Zweig ausgestellt. Die beiden Schriftsteller verband eine starke Freundschaft. Zweig war es auch der Roth in seinen letzten Stunden beistand.

Verlag: Ersterscheinung: Allert de Lange (Amsterdam)

Seiten: ca. 80 Seiten

Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich

Bildtext:

1: Roth und Stefan Zweig © http://www.thejc.com/arts/books/63436/joseph-roth-a-life-in-letters

2: © Zentralbibliothek Zürich