Musiktheatertage: Ödipus Lost

Das Werk X veranstaltet aktuell Musiktheatertage auf dem Areal des Kabelwerks (Otto-Bondy-Platz, Wien). Ich war bei der Vorstellung von „Ödipus Lost – Kill your father, Fuck your mother!“ dabei. Die Musiktheatertage bieten zeitgenössisches Theater vom Feinsten. Neben „Ödipus Lost“ stehen verschiedene Stücke, Opern, Installationen und Ausstellungen wie zum Beispiel „Pizzeria Anarchia“ oder „Stille Wasser“ auf dem Spielplan. Die gestrige Vorstellung ist aus 31 verschiedenen Stücken zusammengesetzt, der Besucher hat die Qual der Wahl, denn es ist nicht vorgesehen alle Werke an einem Abend anzusehen. Manche Stücke sind Dauerperformances und ziehen sich über mehrere Stunden, wieder andere sind für jeweils einen Besucher angedacht so zum Beispiel die „Oper für Blinde“. Ein anderes Stück spielt in einem Auto und auf der Rückbank haben lediglich drei Personen platz. Die Vorstellungen haben einen interaktiven Charakter und die Theatermacher spielen ganz klar mit dem Durchbrechen der vierten Wand im Schauspiel. CAM01702

Besonders spannend ist das Suchen der Spielorte. Zu manchen Vorstellungen wird man vom Hauptplatz, der sich mitten in einem Wohngebiet befindet, abgeholt. Zu anderen muss man selbst hinfinden. Die Bewohner des Wohngebiets werden unabsichtlich selbst Teil der Stücke. Wenn zum Beispiel ein blutverschmierter, durch ein Megafon schreiender Ödipus durch die Gassen irrt und ein geschäftiger Mann im Anzug verstörten Blickes an diesem grotesken Anblick vorbeieilt und sich merklich wundert wieso ihm eine Menschentraube applaudiert.

Eine junge hübsche Frau, legere Kleidung und unsauber verknotetes Haar, trat auf die Besucher am Otto-Bondy-Platz zu: „Wollen sie zur ewigen Liebe? Dann folgen sie mir.“ Sie fingerte an ihrem kleinen Umhängeradio und plötzlich hallte Klaviermusik aus ihrer Richtung. Wir folgten ihr.

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Der Zuseher hat die freie Wahl unter den Stücken und kann kommen und gehen wie es ihm beliebt. Nicht jedem muss diese Art von Theater gefallen. Es ist ein Spiel. Ein Spiel mit dem Medium, ein Spiel mit der Musik, mit Text und mit Aktion und Reaktion. Manche Vorstellungen waren lustig, erheiternd und aufregend, andere waren verstörend und ließen Raum für Interpretationen. Für alle die sich „Ödipus Lost“ selbst ansehen möchten kann ich besonders die Dauerperformances „El Mariachi“ und „Ewige Liebe“ empfehlen.

http://www.musiktheatertagewien.at

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