Filmfestival Venedig 2015

Das älteste Filmfestival der Welt fand gerade zum 72. Mal in Venedig statt. Vom 2. bis 12. September rangen 21 internationale Filme im Wettbewerb um den Goldenen Löwen, die meisten davon stammten von Nachwuchsfilmemachern. Am Ende ging ein ungewöhnliches Liebesdrama um zwei Männer aus Venezuela unerwartet als Sieger hervor.

Die Wahl der Jury unter der Leitung des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón hatte viele Filmkritiker überrascht. Sie verlieh den Goldenen Löwen für den besten Film an From Afar (Desde Allá) von dem Regisseur Lorenzo Vigas aus Venezuela. Sein Spielfilmdebüt ist in Caracas angesiedelt und handelt von einem älteren einsamen Mann, der Jungs von der Straße dafür bezahlt, sich vor ihm auszuziehen. Einer unter ihnen verliebt sich in den vermögenden Zahntechniker, dieser wiederum kann aufgrund des gestörten Verhältnisses zu seinem Vater keine Nähe zulassen, obwohl er sich ebenfalls zu dem Jungen hingezogen fühlt. Es entsteht eine ambivalente Beziehung zwischen den beiden sozial unterschiedlichen Protagonisten. Der Film sei allerdings nur mittelmäßig, beklagten die Kritiker.

 

Auch der Silberne Löwe für die beste Regie ging nach Lateinamerika. Der Thriller El Clan von Pablo Trapero erzählt die wahre Geschichte des Familienclanoberhaupts Arquimedes Puccio, der in den 80er Jahren nach dem Ende der Diktatur in Argentinien weiterhin dem Geschäft der Lösegelderpressung als Geldeinnahme nachgeht, seine Familie in die Verbrechen hineinzieht und seine Söhne als Werkzeuge benutzt.

Begeisterung lösten jedoch andere Filme aus, etwa der US-amerikanische Animationsfilm Anomalisa von Charlie Kaufman und Duke Johnson, welcher immerhin den Großen Preis der Jury gewann. Darin wird die melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau erzählt, die sich auf einer Dienstreise in einem Hotel begegnen. Die Charaktere werden von Puppen gespielt, der Film überzeugte durch seine aufwendige Machart und seine gefühlvollen Momente, währenddessen man vergisst, dass es sich um Puppen handelt.

Außerhalb des Wettbewerbs lief das Drama Everest mit Jake Gyllenhaal nach einer wahren Begebenheit. Als 1996 kommerzielle Berganstiege für wenig Geld beliebt waren, machten sich Touristen, zum Teil mit wenig Erfahrung, auf den Weg den Gipfel des Mount Everest zu besteigen. Im Film unterlaufen einer Bergsteigergruppe während der Expedition schwere Fehler, was vorhersehbar in einer Katastrophe endet. In The Danish Girl spielt Oscarpreisträger Eddie Redmayne den jungen Maler Einar Wegener, der zusammen mit seiner Frau Gerda ein lebenslustiges Künstlerpaar im Kopenhagen der 20er Jahre abgibt. Eines Tages schlüpft er als Modell für ein Porträtbild in die Rolle einer Frau, entdeckt darin jedoch seine wahre Identität und unterzieht sich schließlich als einer der ersten einer Geschlechtsumwandlung. Auch dieser Film erzählt eine wahre Geschichte, endet aber weniger tragisch als in der Realität. Johnny Depp gehörte ebenfalls zu den Stars auf dem Roten Teppich. Er stellte den Gangsterfilm Black Mass unter der Regie von Scott Copper vor, in dem er die Hauptrolle als Gangsterboss spielt.

(Foto: privat)