TV: Das Literarische Quartett

Die Literaturkritik steckt in einer Krise. Ihr Platz in Tageszeitungen wird immer kleiner, das Feuilleton gilt als der am wenigsten gelesene Zeitungsteil. Um diesem Trend entgegenzuwirken wurde nun ein altes Fernsehformat wiederbelebt – Das Literarische Quartett. Vier Literaturkritiker finden sich in einem Studio vor einem Publikum zusammen und besprechen von den Kritikern selbst ausgewählte literarische Neuerscheinungen. Das alte Format startete 1988 und war recht erfolgreich, immerhin lief es 13 Jahre lang. Das lag nicht zuletzt am energischen und streitwilligen Kopf des Quartetts, Marcel Reich-Ranicki, mit seinen legendären Verrissen und seinem Schlagabtausch mit Hellmuth Karasek. Das Publikum amüsierte sich, Literaturkritik wurde zum Unterhaltungsprogramm.

Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann, Juli Zeh

© ZDF/Jürgen Detmers

Inzwischen sind beide verstorben. Ihr Erbe treten nun Volker Weidermann vom Spiegel, der die Neuauflage des Literarischen Quartetts moderiert, der Autor und Kolumnist Maxim Biller und Christine Westermann, bekannt aus Zimmer Frei!, an. Das Quartett vervollständigt ein wechselnder Gast, in der ersten Sendung war das die Juristin und Schriftstellerin Juli Zeh. Die Sendung wurde von 75 auf 45 Minuten gekürzt und somit an die heutige Zeit angepasst, in der alles schnell gehen muss. Jedem der vier besprochenen Bücher widmete man sich etwa zehn Minuten. Nach einer kurzen Vorstellung hagelte es bereits scharfe Urteile: von „schwierig“, „langweilig“, „banal“ bis „kitschig“ und „grauenvoll“ war alles dabei. Dass es dabei nicht immer fair zuging, räumte Weidermann selbst ein: „Unfairness ist Teil unseres Jobs, sonst wäre es langweilig“.

Vergleichbar ist das Literarische Quartett mit der SWR-Sendung lesenswert-Quartett, die dem gleichen Prinzip folgt: vier Kritiker, vier Bücher. Allerdings befinden sich diese zwischen Bücherregalen um einen Tisch mit Büchern versammelt. Bei Tageslicht, das durch ein großes Fenster scheint, werden bei einem Glas Wein in lockerer Atmosphäre Gespräche über die ausgewählten Bücher geführt. Der Austragungsort des neuen Literarischen Quartetts gleicht hingegen einer Bibliothek nur ohne Bücherregale, mit dunkler Holzverkleidung und dämmrigem Licht. Statt aus den Büchern, die zwar auf dem Tisch lagen, aber nur selten zur Hand genommen wurden, wurden Zitate von Karteikarten abgelesen. Hier standen eher Urteile und Meinungen im Vordergrund. Es wurde widersprochen statt überzeugt, einig wurde man sich fast nie.

Natürlich fehlt der Sendung ein Charakter wie Marcel Reich-Ranicki, der wie kein anderer mit erhobenem Zeigefinger seine Liebe und seinen Hass gegenüber Büchern ausdrücken konnte. Aber er und Hellmuth Karasek waren zumindest in den Gedanken der Beteiligten anwesend, indem der eine zitiert wurde und dem anderen, der erst letzte Woche verstorben ist, die Sendung gewidmet war, inklusive freiem Stuhl, auf dem er hätte Platz nehmen sollen. Am Ende wurden die Ergebnisse wie bei einem Fussballspiel zusammengefasst: 3:1 lautete das beste Urteil für das Buch Träumen von Karl Ove Knausgård. Ist das also die Rettung für die Literaturkritik? Es ist zumindest ein Versuch und für alle, die aus Mangel an Zeit oder Lust statt langer Rezensionen zu lesen, lieber kurze prägnante Urteile hören wollen, ist das Literarische Quartett sicher das richtige Format.

Die erste Sendung ist in der ZDF Mediathek verfügbar.

Die nächste Sendung läuft am 6. November um 23 Uhr im ZDF.