Nikolaj Gogol — Der Revisor

Revisor_2_035s

In einer kleinen Provinzstadt in Russland hat sich der Teufel angekündet — Könnte man meinen, sieht man die Reaktionen der Stadtbewohner. Mit der unangenehmen Nachricht, dass ein Revisor kommen wird, um sich die finanzielle Situation des Städtchens anzusehen konfrontiert, beschließt der wohlgenährte und der Korruption nicht abgeneigte Bürgermeister den Revisor milde zu stimmen. Schmieren will er ihn. Als zwei trottelige und plumpe Bürger die Ankunft des hohen Beamten melden, eilen die wichtigsten Stadtbewohner, darunter unter anderem der Arzt, ein Lehrer und der Richter, zum hiesigen Wirtshaus. Der Fremde, den die einfältigen Bürger für den Beamten halten, ist in Wahrheit ein Taugenichts, ein Durchreisender, der mit seinem gitarrespielenden Kollegen vor so mancher Wirtshausrechnung flüchtet.

Das ganze Stück baut auf diesen Irrtum auf. Der Bürgermeister und seine Konsorten, um ihr wohlergehen besorgt, stecken dem vermeintlichen Revisor hunderte Rubel zu. Er soll doch gut von der kleinen Provinzstadt und den gutherzigen, gastfreundlichen und korrekten Einwohnern berichten.

Revisor_2_100sDer Vagabund und sein Mitreisender hinterfragen die gute Bewirtung und die zahlreichen Geldspenden nur bedingt. Die Geschichte spitzt sich zu als der „nicht so hohe“ Beamte um die Hand der Bürgermeistertochter anhält. Voller Freude stimmen die Eltern dem großen Glück zu und planen schon den Umzug nach St. Petersburg. Auf der Hochzeitsfeier überbrücken die Gäste das Warten auf den Bräutigam mit Lobesreden auf den Bürgermeister und den Revisor, dieser war nämlich kurzer Hand zu seinem Paten gereist, um die Heirat anzukündigen.

Dass der Ehrengast nicht zurückkommen wird, wusste schließlich der Postmeister. Der vermeintliche Revisor hatte vor seiner Abfahrt noch einen Brief nach St. Petersburg gesendet. Vor versammelter Hochzeitsgesellschaft las der Postmeister den Brief, den der Taugenichts an einen Literaten geschrieben hatte, vor. Im Brief lässt er sich über die einfältigen Provinzler aus, er nennt sie dumme Ferkel und freut sich über die äußerst lukrative Verwechselung. Die Stadtbewohner sind schockiert über den Brief und seinen Inhalt, doch den Appetit lassen sie sich nicht verderben. Tratschend fielen sie über die Hochzeitstorten her.

Revisor_2_003sDas größte Problem des Stücks, das unter der Regie von Alvis Hermanis im Burgtheater in Wien zu sehen ist, ist ein zeitliches. Viel zu langatmig kommt das Stück des russischen Schriftsteller Nikolaj Gogol daher. In der Kürze liegt die Würze – dieses Sprichwort scheint Alvis Hermanis nicht zu kennen; denn die Storyline wirkt unnatürlich und gewaltsam in die Länge gezogen als wolle man mehr Platz schaffen, doch womit soll dieser gefüllt werden? Das dachte sich wohl auch der Regisseur, denn die eigentlich tolle Szene in der die Cantinenfrauen mit ihren Töpfen und Pfannen für rythmische Unterhaltung sorgen, wurde dreimal wiederholt und bis aufs Äußerste ausgereizt. Auch die stammelnden Stadtbewohner verlieren nach und nach ihren Charme und das Stammeln und Zögern beginnt irgendwann einfach lästig zu fallen. Jedoch ist das Stück mit Michael Maertens als einfältigen, bestechlichen und nasalierenden Bürgermeister und Fabian Krüger, dem leicht irrsinnigen, fabulierenden Durchreisenden außerordentlich gut besetzt. In den weiteren Rollen überzeugen Brigitta Furgler als Frau des Bügermeisters, Oliver Stokowski als Mitreisender und natürlich die Hühner in der Rolle der Hühner.

Bildquelle: burgtheater.at / Foto: Reinhard Werner