Theater: Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße

Die Premiere von Peter Handkes Stück „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ im Burgtheater in Wien ist nun schon einige Wochen her und ich hatte Zeit zu reflektieren. Diese Zeit hatte ich auch bitter nötig. Und um ehrlich zu sein sind zwei Wochen nicht genug um zu verstehen oder zu erfassen was da eigentlich auf der Bühne passiert war.

Handkes Stück rotiert um einen Ich-Erzähler, der auf  einer / seiner Landstraße wartet. Er wartet auf die Unbekannte, auf die Unschuldigen. Und er wartet nicht, will er doch eigentlich allein mit seiner Landstraße sein will und er verteidigt diese auch vehement gegen die Unschuldigen, die in regelmäßigen Abständen rudelweise auf die Bühne laufen.

Einmal sind sie laut in ihr Smartphone lachende Passanten, ein anderes Mal sind sie Teil einer Prozession und schrecken selbst vor einer explodierenden Monstranz nicht zurück.Was also will der „Ich-Erzähler“ und was wollen „die Unschuldigen“?

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Was von diesem Theatererlebnis bleibt sind Fragen. Was habe ich gesehen? Was sollte man sehen und verstehen? Wer sind diese Unschuldigen? Vielleicht wir Konsumenten, wir dem Trott verfallenen, wir Tyrannen oder wir Opfer … Aber wer ist dann die Unbekannte der Landstraße? Vielleicht die Erlösung, die Erkenntnis über die Nichtigkeit des Seins, die Böse, die Liebe, die Verführung … WER? Dieses unbefriedigende Gefühl der Antwortlosigkeit lasse ich schnell hinter mir und widme mich den Fragen, die ich beantworten kann.

Wer hat das eindrucksvolle, filigran schöne Bühnenbild entworfen? Die Antwort: Karl-Ernst Herrmann war es, der zumindest den Sehsinn beglückte. Die schräg-abfallende Bühne bot Platz für allerlei Laub, Müll und Zettelgedichten. Auch das bombenabwerfende Flugzeug riss die rätselnden Zuschauer aus ihrer Trance. Also effekthascherei à la Hollywood.

Was kann man von den Schauspielern sagen? Die waren richtig gut! Christopher Nells körperliche und geistige Entwicklung führte zu faszinierenden Augenblicken in denen man meinte verstanden zu haben und ganz nah beim „Ich“ zu sein. Und auch die Unbekannte der Landstraße, Regina Fritsch, konnte mich in ihren Bann ziehen. Für mich eine mystische Gestalt auf dieser klaren Straße des Glücks und des Verderbens, der Langeweile und der Hektik.

Wer sich also dem rätselhaften Peter Handke hingeben möchte, dem ist dieses Stück sehr zu empfehlen. Und wer zu den vom Kino Erzogenen, an eine Handlung Gewöhnten und vor allem nicht unbefriedigt das Theater verlassen Wollenden zählt, sollte einen weiten Bogen um dieses Stück machen. Oder auch nicht! Vielleicht finden ja genau die, ihre Antworten auf dem Grund der Landstraße.

Foto: Monika Rittershaus, Georg Soulekdie_unschuldigen_054s

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