Bild des Tages: Malewitsch – Schwarzes Quadrat

Ein in der Ausstellung Chagall bis Malewitsch. Die russischen Avantgarden gezeigtes Werk von Kasimir Malewitsch ist so bedeutsam für die Kunstgeschichte, dass es als Bild des Tages eigenständig vorgestellt wird. Gemeint ist das Ölgemälde Schwarzes Quadrat. Zuerst tauchte das Motiv im Jahr 1913 in der futuristischen Oper Sieg über die Sonne auf, in der es den Bühnenvorhang zierte. Zwei Jahre später wurde Schwarzes Quadrat in der Letzten Futuristischen Ausstellung der Malerei „0,10“ in Petrograd (St. Petersburg) der Öffentlichkeit präsentiert.

0.10_Exhibition

Die 0,10 Ausstellung mit dem Schwarzen Quadrat in Petrograd, 1915 (Wikipedia)

Dort wurde es im Ausstellungssaal an der oberen Wandecke unter der Decke im Herrgottswinkel aufgehängt, an dem heiligen Platz, der allein den russischen Ikonen vorbehalten ist. Malewitsch bezeichnete sein Werk selbst als „Ikone unserer Zeit“. Es markierte den Beginn der gegenstandslosen Malerei:

Als ich 1913 den verzweifelten Versuch unternahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellte ich ein Gemälde aus, das nicht mehr war als ein schwarzes Quadrat auf einem weißen Grundfeld … Es war kein leeres Quadrat, das ich ausstellte, sondern vielmehr die Empfindung der Gegenstandslosigkeit.   – Kasimir Malewitsch

Schwarzes Quadrat

Kasimir Malewitsch, Schwarzes Quadrat, um 1923, © St. Petersburg, Staatliches Russisches Museum

Tatsächlich ist es kein Quadrat, sondern ein Viereck, die Seiten sind nicht exakt parallel. Neben dem ersten Schwarzen Quadrat von 1915 sind drei weitere Fassungen bekannt, die größere Version von 1923 ist in der Albertina ausgestellt. An derselben Wand befinden sich außerdem Schwarzes Kreuz und Schwarzer Kreis, die beide ebenfalls um 1923 entstanden sind. Quadrat, Kreuz und Kreis stellen die Grundformen des Suprematismus dar. Als Variation des Schwarzen Quadrats schuf Malewitsch 1915 auch ein Rotes Quadrat mit dem Untertitel Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, sowie Weißes Quadrat (1919) auf einem weißem Grund.

Schwarzes Quadrat ist das Hauptwerk des Suprematismus und war zugleich der Höhepunkt der Abstraktion. Es wurde zu einem der berühmtesten und umstrittensten Gemälde des 20. Jahrhunderts. Viel ist darüber diskutiert worden, die einen sehen darin eine radikale Negierung von allem Gegenständlichen. Die Kunsthistorikerin Maria Becker schreibt hingegen:

Für Malewitsch war das Bild nicht ungegenständlich im Sinne einer Negation des Gegenstands, sondern es war jenseits von Gegenstand und Abstraktion. Es war eine Art Nullpunkt, durch den die Kunst gehen musste, um in den suprematistischen Raum zu gelangen, und seine schwarze Fläche war die Quadratur des Nichts.

Beim Betrachten des Bildes bekommt man den Eindruck, hineingezogen zu werden in das Schwarz, in dem (noch) nichts existiert, aber alles entstehen kann.

Das Schwarze Quadrat von 1923 ist in der Ausstellung Chagall bis Malewitsch. Die russischen Avantgarden bis 26. Juni in der Albertina zu sehen.

Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien

Quelle: http://www.nzz.ch/koenigsknabe–kasimir-malewitschs-schwarzes-quadrat-1.4109120

Advertisements