Halloween: Frühe Schauerfilme

Draußen wird es kalt und dunkel, Nebelschwaden legen sich über die Landschaft, Halloween steht vor der Tür. Unverzichtbar für Halloween sind Horrorfilme. Dreierlei stellen wir an dieser Stelle vor, jedoch nicht aus der heutigen Zeit, sondern deren stummen und farblosen Vorläufer, die Wegbereiter des Genres, die noch heute aufgrund ihrer Ästhetik faszinieren. Zum Gruseln schön.

Das Cabinet des Dr. Caligari

Der Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari von Regisseur Robert Wiene aus dem Jahr 1920 dreht sich um den mysteriösen Dr. Caligari, der einen Somnambulen (Schlafwandler) namens Cesare als Attraktion auf dem Jahrmarkt präsentiert. Vor den Augen der Zuschauer weckt er ihn aus seiner Todesstarre. Cesare besitzt die Gabe, die Zukunft vorherzusagen, und prophezeiht einem jungen Mann im Publikum, dass er noch vor der Morgendämmerung sterben wird. Es bewahrheitet sich, Alan wird in der Nacht von einer dunklen Gestalt erdolcht. Daraufhin stellt Franzis, der Freund des Getöteten, Nachforschungen an. Sein Verdacht richtet sich auf Dr. Caligari und dessen Schützling.

Die komplexe Handlung nimmt mehrere unerwartete Wendungen. Thematisiert werden neben Geisteskrankheiten auch die Beeinflussung und Kontrolle eines fremden Willens. Die kontrastreiche Beleuchtung und die stark verzerrten Kulissen scheinen einem kubistischen Gemälde entnommen zu sein. Das Cabinet des Dr. Caligari gilt als Wegbereiter des expressionistischen Films und prägte mit seinem Stil spätere Filme, darunter auch das Frühwerk von Tim Burton.

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Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

Nur zwei Jahre später entstanden, aber stilistisch vollkommen konträr ist der Vampirfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922 nach dem Roman Dracula von Bram Stoker. Aufgrund seiner Erscheinung hat Murnau mit dem Vampir Graf Orlok eine der furchterregensten Figuren der Filmgeschichte geschaffen. In 5 Akten wird erzählt, wie mit ihm der Schrecken in die Stadt Wisborg einbricht, wo das junge Ehepaar Hutter und Ellen lebt. Hutter erhält den Auftrag, dem Grafen Orlok das Haus gegenüber seines eigenen zu verkaufen. Er reist zu dem Grafen, der in einem ruinösen Schloss in den Karpaten lebt. Als dieser ein Bild von Hutters Frau Ellen sieht, entbrennt er in Liebe und kauft das Haus. Sogleich macht sich der Vampir mitsamt Sarg auf den Weg nach Wisborg. Im Gepäck hat er dutzende Ratten, die die Pest in der Stadt verbreiten.

Im Gegensatz zu Wiene mit seinen künstlich geschaffenen Kulissen setzte Murnau auf naturalistische Landschaftsaufnahmen, in denen sich die Stimmungen der Figuren manifestieren. Die Schauerwirkung des Films wird erzeugt durch den Einbruch des Unheimlichen in den Alltag, indem der Vampir sein Schloss verlässt und in die Zivilisation eindringt. Zwischen dem Vampir und der Architektur wird eine Verbindung hergestellt. Die Physiognomie des Grafen mit seiner krummen Nase und seinem Buckel korrespondiert mit den architektonischen Wölbungen und Bögen der Stadt. Sein Schloss ebenso wie sein neues Haus sind ruinös und halbverfallen und drücken die Einsamkeit der Schreckensgestalt sowie deren Stellung zwischen Leben und Tod aus. Dieser Effekt wird mit filmischen Mitteln noch verstärkt. Viele Szenen sind im Low-Key-Stil gehalten. Das Dämmerlicht und die Schatteneffekte sorgen für eine spukhafte, übernatürliche Wirkung.

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Vampyr – Der Traum des Allan Gray

Zehn Jahre nach Nosferatu enstand ein weiterer Vampirfilm. Vampyr – Der Traum des Allan Gray ist eine deutsch-französische Produktion des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer. Allan Gray, ein junger Student, befindet sich auf der Durchreise und quartiert sich in einem Gasthaus ein. In der Nacht betritt ein alter Adelsmann sein Zimmer und bittet ihn um Hilfe. Er hinterlässt ein Paket mit der Aufschrift „Zu öffnen nach meinem Tode“ und verschwindet. Allan begibt sich auf die Suche nach dem Mann, er folgt einem Schatten, der ihn zu einem Schloss führt, in dem der Adelsmann mit seinen beiden Töchtern lebt. Seltsame Dinge gehen vor sich. So wird Allan Zeuge, wie der alte Schlossbesitzer hinterrücks erschossen wird. Außerdem leidet eine der Töchter an einer mysteriösen Krankheit. Allan findet sie im Park liegend mit einer Bisswunde am Hals. Allan öffnet das ihm hinterlassene Paket, worin sich ein Buch über Vampire befindet.

Dreyers erster Tonfilm besticht weniger durch seine knappen Dialoge und einfach gehaltene Handlung, als durch seine visuelle Darstellung. Die Beleuchtungstechnik – die Außenaufnahmen wurden bei Morgen- und Abenddämmerung gedreht – und spezielle Kamerafilter sorgen für eine nebulöse Atmosphäre, die Traum und Wirklichkeit verschwimmen lässt. Beeinflusst von Nosferatu setzt auch Vampyr auf die Erzeugung einer unheimlichen Grundstimmung, anstatt auf vordergründige Effekte mit Schockwirkung.

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Ausstellungstipp: Das Lenbachhaus in München zeigt derzeit eine Hommage an Friedrich Wilhelm Murnau.

Bilder: Screenshots via YouTube

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