Ausstellung: Spaniens Goldene Zeit

Spanien im 17. Jahrhundert: Unter Philipp IV. erreichten die Habsburger den Höhepunkt ihrer Herrschaft. Zudem bescherte der König als Förderer und Sammler der Kunst eine Blütezeit, die bis zum Tod seines Nachfolgers Karl II. um 1770 anhielt. Man spricht vom Siglo de Oro, dem Goldenen Zeitalter Spaniens, dem gerade die Kunsthalle München eine Schau widmet.

Beim Betrachten der ausgestellten Gemälde und Skulpturen mag man allerdings eher an eine dunkle Ära denken – sowohl was deren Sujets, als auch die Umsetzung betrifft. Dargestellt sind überwiegend ernste, leidende Menschen, gegeißelte und ermordete Männer, trauernde Frauen. Und Christus, immer wieder Christus begegnet dem Betrachter – nach der Geißelung, bei der Kreuztragung, am Kreuz hängend, bei der Kreuzabnahme, sein toter Körper aufgebahrt auf einer Liege. Die Gemälde wirken düster, vor dunklen Hintergründen zeichnen sich die Figuren ab, verschwinden halb im Schattenbereich. Beeinflusst sind die dramatischen Helldunkeleffekte von italienischen Barockmalern wie Caravaggio, das große Vorbild der spanischen Maler dieser Zeit. Die Ausstellungsräume selbst sind in dämmriges Licht getaucht, um die Stimmung zusätzlich zu intensivieren.

velazquez

Die beiden Hauptgattungen im 17. Jahrhundert – religiöse Historienbilder und Herrscherporträts – dominieren die Ausstellung. Als herausragender Maler des Siglo de Oro gilt Diego Velázquez, der 1623 vom König zum alleinigen Hofmaler ernannt worden war und zahlreiche Porträts Philipp IV. und dessen Familienmitglieder schuf. Im Gegensatz zu anderen Ländern galten die Künstler in Spanien noch als Handwerker und hatten nur begrenzte Freiheiten bei ihrer Arbeit. Die Aufträge stammten von Königshaus oder von der katholischen Kirche, die die Werke als propagandistische Instrumente einsetzten. Dem König dienten die höfischen Porträts als Repräsentation seiner Macht, im Widerstreit gegen die Reformation versuchte die katholische Kirche die Menschen zum „wahren Glauben“ zu führen. Beide Institutionen nutzten die emotionale Wirkkraft der Bilder auf die Betrachter, um das Volk zu unterwerfen und ihre immer instabiler werdende Stellung zu wahren.

murillo

In der Ausstellung vertreten sind aber auch erheiternde Stillleben und Genrebilder, die zur damaligen Zeit als niedere Gattungen angesehen waren, gleichzeitig aber den Künstlern eine größere Freiheit in der Ausführung erlaubten. Mit seinen sogenannten „Bodegones“ erschuf Velázquez eine eigene Gattung, welche Wirtshaus- und Küchenszenen zeigen und von gewöhnlichen Menschen bevölkert werden. Sein Zeitgenosse Bartolomé Esteban Murillo machte Straßenjungen zu den Protagonisten einer Reihe seiner Bilder.

ecce-homo

In Murillos Ecce homo-Szene zu sehen ist Christus in Ganzkörperdarstellung vor einem dunklen Hintergrund mit seinen Attributen, der Dornenkrone auf dem Kopf, Fesseln an den Handgelenken, in der rechten Hand hält er ein Schilfrohr. Nackt, verletzlich aber ohne sichtbare Wunden sitzt er mit hängenden Schultern da. Als farblicher Akzent ist sein purpurnes Gewand über seinem Schoss drapiert. Sein Kopf ist geneigt, seine Augen halb geschlossen, sein Mund leicht geöffnet. Der Sohn Gottes ist in sich gekehrt, abwesend, er hat resigniert, sein Schicksal ist besiegelt. Im Gegensatz zu anderen Ecce homo-Darstellungen, in denen Christus der Menschenmenge präsentiert wird, hat Murillo einen stillen, einsamen, intimen Moment gewählt und dabei die Verletzlichkeit, die Menschlichkeit Christi zum Ausdruck bringt.

ribera

Eine ähnliche Wirkung entfaltet das Brustbild eines unbekannten Mannes von Jusepe de Ribera. Auf diesem Gemälde ist das dramatische Helldunkel noch gesteigert. Aus dem fast einheitlichen Schwarz des Hintergrundes, der Kleidung und der Haare hebt sich nur das ausgeleuchtete Gesicht des Porträtierten ab. Er blickt nach rechts – was mag er sehen? Schaut er aus dem Fenster, in die Leere, in eine hoffnungslose Zukunft? Seine in Sorgenfalten gelegte Stirn, seine ausdrucksstarken, leicht feuchten Augen lassen erahnen, was in seinem Inneren vor sich geht. Melancholie, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, tiefer Weltschmerz ist in diesem Blick vereint. Die Bildmittel sind auf das Minimalste reduziert, nichts lenkt den Blick des Betrachters von den Augen des Unbekannten ab. Ribera nimmt vorweg, was in der Romantik im 18. Jahrhundert ein zentrales Anliegen in der Porträtmalerei sein wird – das Innenleben des Dargestellten nach Außen zu kehren.

el-greco

Einen Ausweg aus dieser düsteren Malweise bot im 17. Jahrhundert der Manierismus – in der Ausstellung vertreten durch El Greco. In diesem Stil ist die Bildsprache der Renaissancemalerei bis ins Pathetische gesteigert. Beispielhaft ist El Grecos eigenwillige Version der Immaculata im ersten Ausstellungsraum, die durch ihre überbordende, unnatürliche Farbenpracht sowie eine ungewohnte perspektivische Verzerrung für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt.

Die Ausstellung ist bis 26. März in der Kunsthalle zu sehen.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, 80333 München

Bildmaterial:

1) Diego Velázquez, Die drei Musikanten, um 1616–1618, Öl/Leinwand, 90,4 x 113,2 cm, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

2) Bartolomé Esteban Murillo, Die Pastetenesser, um 1675–1680, Öl/Leinwand, 123,6 x 102 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen München – Alte Pinakothek, © bpk / Bayerische Staatsgemäldesammlungen München – Alte Pinakothek

3) Bartolomé Esteban Murillo, Ecce Homo, um 1670, Öl/Leinwand, 153 x 105 cm, © Museo de Bellas Artes de Murcia

4) Jusepe de Ribera, Brustbild eines Mannes, um 1613–1615, Öl/Leinwand, 76 x 63,5 cm, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, © bpk / Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

5) El Greco, Unbefleckte Empfängnis (Inmaculada Oballe), 1608–1613, Öl/Leinwand, 348 x 174,5 cm, Museo de Santa Cruz, Toledo, © Parroquia de San Nicolás de Bari – Arzobispado de Toledo