Berlinale 2017

Eine aus Kritikersicht eher mittelmäßige Berlinale ist am Sonntag zu Ende gegangen. Vom 9. bis 19. Februar wurden knapp 400 Filme gezeigt, von denen 18 im Wettbewerb um den Goldenen und Silbernen Bären konkurrierten, aber keiner so richtig überzeugte. Am Ende entschied sich die Jury für das Herz und kürte eine Liebesgeschichte aus Ungarn zum besten Film.

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Eröffnet hatte die 67. Berlinale das Biopic Django des Franzosen Etienne Comar über den Gitarristen, Komponisten und Vorreiter des europäischen Jazz, Django Reinhardt. Außer Konkurrenz gezeigt wurde T2 Trainspotting, die Fortsetzung des Kultfilms von Danny Boyle, in dem die vier Freunde mit Drogenvergangenheit nach 20 Jahren wieder zusammen kommen.

Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des niederländischen Regisseurs und Drehbuchautors Paul Verhoeven verlieh den Goldenen Bären für den besten Film an Körper und Seele von Ildikó Enyedi aus Ungarn. Darin wird eine zärtliche Liebesgeschichte erzählt zwischen einer jungen Frau und einem älteren Mann, die beide in einem Schlachthaus arbeiten. Sie erträgt keine körperlichen Berührungen, er kann seinen linken Arm nicht bewegen, weil er gelähmt ist. Was sie verbindet, ist ein Traum, den beide jede Nacht träumen: Darin begegnen sie sich als Hirsch und Hirschkuh in einem verschneiten Wald und nähern sich langsam einander an.

 

Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den Finnen Aki Kaurismäki für Die andere Seite der Hoffnung. Im Film treffen ein syrischer Flüchtling und ein Restaurantbesitzer in Helsinki aufeinander. Der eine will dem anderen helfen, zwischen ihnen entsteht eine Schicksalsgemeinschaft. Den Großen Preis der Jury gewann Félicité von Alain Gomis über eine starke Frau, die als Sängerin in einer Bar in der kongolesischen Hauptstadt arbeitet und versucht, Geld für ihren bei einem Unfall verletzten Sohn aufzutreiben.

Als Favoritin für den Preis als beste Darstellerin galt Daniela Vega für ihre Rolle im chilenischen Film A Fantastic Woman von Sebastián Lelio. Die Schauspielerin, die selbst als Junge zur Welt kam, spielt darin eine Transgender-Frau an der Seite eines älteren Mannes. Als dieser unerwartet stirbt, wird sie mit Hass und Gewalt vonseiten seiner Familie konfrontiert. Gegen alle Widerstände kämpft sie für ihr Recht auf Trauer. Der Film wurde mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch für Sebastián Lelio und Gonzalo Maza bedacht.

Als beste Darstellerin und bester Darsteller wurden Kim Min-hee in On the Beach at Night Alone von Hong Sang-soo und Georg Friedrich in Helle Nächte von Thomas Arslan geehrt. Der Alfred-Bauer-Preis ging an den polnischen Beitrag Pokot von Agnieszka Holland, worin die Heldin Rache an skrupellosen Jägern nimmt. Erstmals wurde auf der Berlinale der Preis für die beste Dokumentation vergeben. Diesen erhielt Ghost Hunting von Raed Andoni. Der Regisseur suchte nach ehemaligen palästinensischen Häftlingen in einem Verhörzentrum in Jerusalem und spielt mit ihnen ihre Erlebnisse nach, wodurch unverarbeitete Traumata geweckt werden.

Unter den 18 Wettbewerbsbeiträgen waren drei Filme aus Deutschland. Der Regisseur Andres Veiel lässt in Beuys 30 Jahre nach seinem Tod den Künstler und Visionär wieder aufleben. Zahlreiche Bild- und Tondokumente fügte er zu einem Porträt zusammen, das den Künstler großteils selbst zu Wort kommen lässt. Helle Nächte von Thomas Arslan handelt von einer Vater-Sohn-Geschichte. Für ein Begräbnis machen sich die beiden, die in den letzten Jahren kaum Kontakt hatten, mit dem Auto auf den Weg nach Norwegen und versuchen sich einander anzunähern. Mit Rückkehr nach Montauk erzählt Volker Schlöndorff eine Erzählung des Schweizer Schriftstellers Max Frisch weiter. Ein Mann und eine Frau, deren Liebe gescheitert ist, begegnen sich nach vielen Jahren wieder und versuchen herauszufinden, ob es für sie noch eine Chance gibt. Mit dem österreichischen Beitrag Wilde Maus gibt Kabarettist und Schauspieler Josef Hader sein Regiedebüt. Darin spielt er selbst einen Musikkritiker, der seinen Job verliert und einen Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Chef startet.

 

Film-Tipp:

„Eine politische Komödie mit magischen Wendungen“ heißt es im Trailer des Films Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes. Gezeigt wurde der Film in der Reihe Perspektive Deutsches Kino, die sich heuer mit der „Generation Millennials“ befasste. In seinem Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb) spielt der junge Regisseur Julian Radlmaier selbst in der Hauptrolle einen erfolglosen Filmemacher, den das Arbeitsamt zwingt, einen Job als Erntehelfer auf einer ausbeuterischen Apfelplantage anzunehmen. Um das Herz einer jungen Kanadierin zu erobern, gibt er vor, einen kommunistischen Film drehen zu wollen. Doch bald ist er von der Arbeit körperlich und auch geistig überfordert, denn ihm kommen zwei Proletarier, die ständig über politische Themen debattieren, ein Vorzeigearbeiter mit amerikanischem Traum und ein Mönch mit magischen Kräften in die Quere.

 

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