Ausstellung: Daniel Richter

Als „Maler-Superstar“, „Junger Wilder“ und „Punk unter den Malern“ wurde er schon betitelt und zusammen mit seinen Kollegen Neo Rauch und Jonathan Meese auf das Podest der großen deutschen Gegenwartsmaler gestellt. Das 21er Haus in Wien widmet Daniel Richter derzeit eine umfassende Werkschau mit einer Auswahl von 52 Bildern unter dem Titel Lonely Old Slogans.

Aus dem hohen Norden Deutschlands kommend trieb sich Daniel Richter in jungen Jahren in der linksautonomen Hamburger Punkszene herum. Erst mit knapp 30 Jahren begann er ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Heute pendelt er zwischen Berlin, Hamburg und Wien, wo er seit 11 Jahren an der Akademie der bildenden Künste lehrt. Höchste Zeit also, dass er in seiner Wahlheimat ausstellt.

Die Retrospektive unterteilt sich in die drei Schaffensperioden des Künstlers. Anders als andere Maler begann er mit der abstrakten Malerei. Ein Ausstellungsraum beherbergt großformatige, farbintensive Bilder dieser frühen Schaffensphase in den 1990er Jahren. Sie sind überladen mit Farben, Formen und Pinselstrichen.

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Um die Jahrtausendwende folgt auch eine Kehrtwende in Richters Werk, er beginnt figurativ zu malen. Narrative Szenen beherrschen fortan seine Bilder als Reaktion auf die gesellschaftspolitische Wirklichkeit. In diesen Arbeiten tummeln sich gesichtlose Menschen wie durch eine Wärmebildkamera gesehen. Superhelden und Märchenfiguren tauchen beiläufig auf. Gezeigt werden bedrohliche Szenen bis hin zu roher Gewalt, wenn etwa männliche Figuren mit Knüppeln auf ein am Boden liegendes Pferd einschlagen. Jenes Tier, das in der Geschichte der Kunst Herrscher auf seinem Rücken heroisch erscheinen ließ, wird hier zum wehrlosen Opfer degradiert.

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Ein großformatiges Gemälde zeigt in bunte Muster gehüllte Figuren in einem Schlauchboot ausharrend, das von einem schwarzen Nichts umgeben ist. Tarifa stammt von 2001, lässt aber unweigerlich an die jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer denken.

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Daneben finden sich ikonenhafte Bilder, die Referenzen auf die Kunstgeschichte enthalten. Komponiert wie Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer lässt Daniel Richter seinen Wanderer in den Abgrund einer feuerroten Höllenlandschaft blicken. In einem an Ophelia von John Everett Millais erinnerndes Gemälde beobachten geisterhafte Gestalten einen im Wasser treibenden Körper.

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In seinen jüngsten Arbeiten lässt Richter das Narrative hinter sich und nähert sich durch Reduktion wieder der Abstraktion an. Sie zeigen pornografisch anmutende Szenen von ineinander verdrehten Körpern und fratzenartige Gesichter.

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Die Titel tragen meist wenig zum Verständnis bei, vielmehr sorgen sie für noch mehr Verwirrung. Richters Malerei lässt sich stilistisch kaum auf einen Nenner bringen, sie ist grenzüberschreitend, vielschichtig und bedeutungsoffen. Der einstige Punk hat sich weiterentwickelt zu einem malenden Philosophen, der die Welt um sich herum reflektiert.

Die Wanderausstellung Lonely Old Slogans ist bis 5. Juni im 21er Haus in Wien zu sehen. Anschließend zieht sie weiter ins Camden Arts Centre in London.

21er Haus Museum für zeitgenössische Kunst, Quartier Belvedere, Arsenalstraße 1, 1030 Wien

Bildmaterial:

1) Daniel Richter, Zwiesprache mit der Natur (beim Baden), 1996, Privatsammlung, Courtesy Jennifer VORBACH LLC, © Bildrecht, Wien, 2017, Öl auf Leinwand 185 × 200 cm

2) Daniel Richter, Das Recht, 2001, Sammlung Olbricht, © Jochen Littkemann, Berlin / © Bildrecht, Wien 2017, Öl und Lack auf Leinwand 255 x 370 cm

3) Daniel Richter, Tarifa, 2001, Collection Ken and Helen Rowe, London, © Bildrecht, Wien 2017, Öl auf Leinwand 350 x 280 cm

4) Daniel Richter, Alles Ohne Nichts, 2006-2007, Tatintsian Collection, © Jochen Littkemann, Berlin / © Bildrecht, Wien 2017, Öl auf Leinwand 230 x 320 cm

5) Daniel Richter, Bill, 2015, Privatsammlung, Rotterdam, Courtesy Galerie Thaddeus Ropac, London – Paris – Salzburg, © Jens Ziehe Photographie / © Bildrecht, Wien, 2017, Öl auf Leinwand 200 x 270 cm