Filmfestival Cannes 2017

70 Jahre Internationale Filmfestspiele in Cannes. Von 17. bis 28. Mai wurde an der Côte d’Azur gebührend gefeiert – aber auch gestritten über zwei Filme, die nie im Kino zu sehen sein werden. Die Jury um Präsident Pedro Almodóvar kürte aus 19 Filmen den schwedischen Beitrag zum besten Film und Diane Kruger zur besten Darstellerin.

Cannes_2017

© FDC / Philippe Savoir (Filifox)

Zum Jubiläum war nicht allen zum Feiern zumute: Gleich zu Beginn sorgten zwei Netflix-Produktionen für ordentlich Krach. In das Programm aufgenommen wurden Okja mit Tilda Swinton von dem Südkoreaner Bong Joon-ho und The Meyerowitz Stories von Noah Baumbach. Beide Filme laufen ausschließlich auf der Streaming-Plattform, nicht im Kino. Während die einen die Existenz der großen Leinwand im dunklen Saal bedroht sehen, ist der Streamingdienst für die anderen eine zusätzliche Bereicherung gleichberechtigt neben dem Kino, das durch nichts zu ersetzen ist. Die Kritik hat zur Folge, dass in Zukunft keine Filme mehr auf dem Filmfestival gezeigt werden, die nicht fürs Kino gedreht wurden. Als Novum wurden in Cannes außerdem zwei Serien gezeigt: Teile der zweiten Staffel Top of the Lake der Oscarpreisträgerin Jane Campion und David Lynchs langersehnte Fortsetzung seiner Kultserie Twin Peaks.

Die Goldene Palme für den besten Film holte sich der schwedische Regisseur Ruben Östlund für seine Gesellschaftssatire The Square. Im Zentrum steht der erfolgreiche Museumskurator Christian (Claes Bang), der sich tolerant und weltoffen gibt, aber im Laufe des Films auf bitter-komische Weise entlarvt wird. Der Große Preis der Jury ging an das Drama 120 Beats Per Minute von Robin Campillo über Aids-Aktivisten im Frankreich Anfang der 90er Jahre, die für Aufklärung und Medikamente kämpfen. Als beste Schauspielerin wurde Diane Kruger für ihre überragende Leistung in Fatih Akins Aus dem Nichts ausgezeichnet. In dem Thriller überzeugt sie in der Rolle einer Frau, die bei einem Anschlag von Neonazis ihren Mann und ihren Sohn verliert. Die Täter werden freigesprochen, die Trauer, die Verzweiflung, die Wut bleiben und schlagen in Rache um. Akin stellt die Hinterbliebenen des Verbrechens in den Mittelpunkt sowie die Frage, wie man mit Verlust umgeht.

 

Mit zwei Preisen wurde You Were Never Really Here der Schottin Lynne Ramsay geehrt. Joaquin Phoenix ging als bester Schauspieler hervor für seine Rolle als Kriegsveteran, der zum Auftragskiller wird, und auch den Preis für das beste Drehbuch erhielt der Thriller. Dieser Preis ging ebenfalls an das Drama The Killing of a Sacred Deer von Yorgos Lanthimos mit Nicole Kidman und Collin Farrell in den Hauptrollen. Beide Schauspieler sind außerdem in dem Melodrama The Beguiled zu sehen, für das die Jury den Preis für die beste Regie an Sofia Coppola übergab. Der Film ist in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges angesiedelt, Nicole Kidman spielt darin die Direktorin eines Mädchenpensionats. Collin Farrell, der dort als verwundeter Soldat aufgenommen wird, erweckt die Sehnsüchte der Bewohnerinnen, die allerdings bald umschlagen. Mit dem Preis der Jury wurde Loveless von Regisseur Andrej Swjaginzew ausgezeichnet. Der Film handelt von einem Paar, das sich trennt. Zwischen ihnen herrscht Eiseskälte – zum Leidwesen ihres 12-jährigen Sohnes. Kein Happy End gab es hingegen für den österreichischen Filmemacher Michael Haneke. Für seinen Film Happy End reichte es am Ende nicht für eine dritte Goldene Palme.

Film-Tipp:

In Song to Song erzählt Regisseur Terrence Malick die Geschichte zweier ungleicher Paare. Das eine (Ryan Gosling und Rooney Mara) verbindet echte Gefühle und Zuneigung, das andere (Michael Fassbender und Natalie Portman) eher oberflächliche Lust und Darstellungssucht. Musik spielt eine wichtige Komponente in der Handlung, die von Song zu Song, so wie auch der ganze Film in bekannter Malick-Manier von Moment zu Moment getragen wird.

 

http://www.festival-cannes.com/en/