Buster’s Mal Heart & Boys in the Trees

Was haben ein Familienvater, der in einem Hotel arbeitet, und ein verwahrloster Mann, der in Höhlen lebt, gemeinsam? Sie sind ein und dieselbe Person. Über die Zusammenhänge, erzählt der Film Buster’s Mal Heart, der auf dem Filmfest München gelaufen ist. Jonah arbeitet immer nachts in einem Hotel als Concierge. Er ist chronisch übermüdet, seine Augenlider rot und geschwollen. Er ist gefangen in der Dunkelheit der Nacht zwischen Wasch- und Spülmaschinen. Seine Frau umsorgt die kleine Tochter, zusammen leben sie im Haus ihrer Eltern. Die Lebenssituation führt zu Reibereien in der Ehe. Der einzige Ausweg: Dem System entfliehen. Jonah will seinen Job kündigen, ein Stück Land kaufen, mit der Familie in einem Haus in den Bergen, in der Natur leben, bestensfalls nicht mehr arbeiten müssen. Doch dazu braucht er Geld. Eines Tages betritt ein Fremder das Hotel. Er bezeichnet sich selbst als „the last free man“ und spricht davon, dass eine „Inversion“, eine Umkehrung der Welt, kurz bevorsteht. Was gut ist, wird schlecht sein, was schlecht ist, wird gut sein. Ein Spinner mit wahnwitzigen Ideen. Und doch könnte er derjenige sein, der Jonah bei seinem Plan helfen kann. Doch dann geschieht ein schreckliches Verbrechen, das Jonah an seinem Verstand zweifeln lässt. Ist dieser fremde Mann real? Hatte er am Ende recht? Und dann ist da noch sein Doppelgänger, der auf einem Boot irgendwo im Ozean vor sich hin vegetiert.

Busters Mal Heart

Rami Malek, der Held der Serie Mr. Robot, überzeugt in seiner ersten Kinohauptrolle als zerrissener Mann, der seinem Dasein als Rädchen im System entfliehen will, für seine Freiheit jedoch einen hohen Preis zahlen muss. Für den Mysterythriller wurden Kameraeinstellungen gewählt, welche die Einsamkeit des Helden optisch noch verstärken. Regisseurin Sarah Adina Smith wirft in Buster’s Mal Heart die Frage auf, was Isolation mit einem Menschen machen kann. Die Geschichte erzeugt einen Sog, in dem die Grenzen zwischen Realität, Traum, Halluzination und Wahn immer mehr verschwimmen, bis man nicht mehr weiß, stimmt mit der Welt etwas nicht oder mit dem Verstand des Protagonisten?

 

Man hat es nicht leicht, wenn man mitten in der Adoleszenz steckt. Entweder man gehört zu einer Gruppe oder man ist ein Außenseiter. Letzterer ist Jonah. Früher war alles anders. Als Kind spielte er mit Corey, gemeinsam erlebten sie Abenteuer und hatten Spaß. Bis ein Vorfall alles verändern sollte. Corey meidete Jonah und freundete sich mit den coolen Skatern an. Jonah blieb allein und wird von der Gruppe, vor allem von deren Anführer gedemütigt. An Halloween treffen Jonah und Corey aufeinander – allein, ohne die anderen. Es ist finstere Nacht, verkleidete Kinder und Jugendliche laufen durch die Straßen, verlangen „Trick or Treat“. Corey soll Jonah nach Hause begleiten. Unterwegs erzählen sie sich Gruselgeschichten, wie die von einem verschwundenen Mädchen, deren Geist in einem Tunnel hause, oder die eines Jungen, der seine Träume verwirklichen wollte, dann aber in Vergessenheit geraten ließ und die ihn als Erwachsenen in Form von bösen Geistern wieder einholen. Auch Corey und Jonah auf ihrem Weg werden verfolgt von vorbei huschenden Gestalten, finsteren Dämonen und einem mysteriösen Mann im weißen Anzug, dem man besser nicht zweimal begegnet. Bei ihren Gesprächen kommen Erinnerungen an die glückliche Kindheit hoch sowie die Frage, wie es so weit kommen konnte. Corey wird bewusst, dass er seinen Freund im Stich gelassen hat und will sich mit Jonah versöhnen. Oder ist es dafür längst zu spät?

Boys in the Trees

Boys in the Trees, der erste Spielfim des Australiers Nicholas Verso, handelt von Freundschaft, vom Erwachsenwerden und Träumen, die dabei auf der Strecke bleiben. Die Horrorelemente stehen symbolhaft für verdrängte Ängste und Schuld, die lebendig werden und einem als Dämonen wieder einholen. Was Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Albtraum ist, ist bald nicht mehr klar auszumachen. Der Film ist im Jahr 1997 angesiedelt und feiert die späten 90er, technisch mit alten Computern, Stereo Blaster, Telefonzellen und Analogkameras und musikalisch mit damaligen Hits von Rammstein und Marilyn Manson, die das Laute, Wilde und Unberechenbare der Kerle unterstreichen, die nicht nur zu Halloween Schrecken verbreiten.

 

Bilder: © Filmfest München

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