Daphne & Mr. Roosevelt

Auf den ersten Blick ist Daphne (Emily Beecham) eine gewöhnliche junge Frau. Sie lebt in London, arbeitet in einem Restaurant, geht gerne feiern und wenn ihr ein Typ gefällt, nimmt sie ihn mich nach Hause. Doch dann wird sie Zeugin eines heimtückischen Messerangriffs auf einen Shopbesitzer. Zunächst lebt Daphne ihr Leben wie gewohnt weiter und lässt sich nichts anmerken. Aber der Vorfall arbeitet in ihr, weshalb sie einen Psychotherapeuten aufsucht. Da sind Gefühle in ihr, tief begraben, aber sie wehrt sich vehement dagegen, diese zum Vorschein kommen zu lassen. Sie hat eine Mauer um sich herum aufgebaut und lässt niemanden an sich heran, weder ihre krebskranke Mutter, noch den Türsteher eines Clubs, der ernsthaftes Interesse an ihr zeigt. Daphnes Schutzpanzer sind ihre Sprache (sie flucht unentwegt) und ihre Überzeugungen (Liebe führe nur zu Enttäuschungen). Während ihre Mutter für sich einen Lebenssinn im buddhistischen Glauben gefunden hat, irrt Daphne noch ziellos und rastlos durch die endlosen Straßen Londons. Gegen Ende des Films gelingt es ihr, mit kleinen Schritten ihre gewohnten Wege zu verlassen.

Daphne

Mit seinem ersten Spielfilm Daphne, der auf dem Filmfest München zu sehen war, zeichnet Peter Mackie Burns das Porträt einer jungen Frau, deren komplexen Charakter und ihren täglichen innerlichen Kampf mit ihrer Umwelt. Zugleich kann die Protagonistin des Dramas stellvertretend für eine ganze Generation, die Millennials, gelesen werden, die als gebildet, unabhängig, freiheitsliebend, aber auch als unentschlossen und beziehungsunfähig gilt. Der Regisseur begleitet seine Figur bei ihrer Entwicklung, ohne dabei über sie zu urteilen.

 

Es ist eine Weile her, seit Emily (Noël Wells) ihren Ex-Freund Eric das letzte Mal gesehen hat. Ein trauriger Anlass führt sie wieder zusammen: der gemeinsame Kater namens Mr. Roosevelt liegt im Sterben. Emily, die in Los Angeles eine Karriere als Comedian anstrebt, bricht sofort ins heimische Austin auf, um den geliebten Vierbeiner ein letztes Mal zu sehen. Bei ihrer Begegnung mit Eric fällt ihr sofort auf, wie gut er aussieht. Und er hat auch bereits eine neue Freundin, Celeste. Auch sie ist sehr hübsch und das Schlimmste: auch noch super nett. Das Paar bietet Emily an, die Tage bei ihnen im Haus unterzukommen, in dem sie früher mit Eric gewohnt hat. Und auch das ist im Gegensatz zu damals ordentlich und modern eingerichtet. Aus der scheinbar perfekten Welt der beiden, deren einziges Problem ihre Glutenunverträglichkeit zu sein scheint, braucht Emily dringend eine Flucht. Als sie alleine sind, erinnert sie ihren Ex an die guten alten Zeiten und ermutigt ihn, seinen Traum als Musiker wieder aufzunehmen. Aber er hat inzwischen andere Prioritäten im Leben. Dann wird auch noch eine Trauerfeier für den toten Kater abgehalten, mit aufgesetzt trauernden Freunden, die ihn nicht einmal kannten, und einer Torte mit einem Bild von ihm. Zu viel für Emily.

Mr Roosevelt

Noël Wells hat Mr. Roosevelt geschrieben, führt Regie und spielt zugleich die Hauptrolle. In der Komödie lässt sie zwei Welten aufeinander prallen: Das perfekt für Instagram inszenierte Leben und das echte Leben, in dem so manches schief läuft. Die Protagonisten wirken anfangs stark überzeichnet, zeigen aber im Laufe des Film durchaus auch andere Facetten. Noël Wells, selbst Comedian, versteht es, unterhaltsame Situationskomik entstehen zu lassen. Der Film feiert das Jungsein und das Leben, ganz egal, welches man für sich gewählt hat.

Bilder: © Filmfest München