Film: Song to Song

Wie fühlt sich Begehren an? Wie Zuneigung, Sehnsucht, Zurückweisung, Eifersucht? All jene Emotionen, die Menschen für einander hegen können, versucht Terrence Malick in seinem Film Song to Song ins Visuelle zu übertragen.

Die Musiker Faye (Rooney Mara) und BV (Ryan Gosling) lernen sich auf einer Party kennen und verlieben sich ineinander. Es ist ein unschuldige Liebe. Wie zwei Kinder tollen sie herum. Kommen sich näher. Sehen sich an, berühren sich, riechen einander. Entdecken sich mit allen Sinnen. Die Kamera rückt dabei ganz nah heran an die Protagonisten und macht die körperliche Interaktion für den Zuschauer fast spürbar. Dass Faye mit dem Produzenten Cook (Michael Fassbender), der auch ein guter Freund BVs ist, eine heimliche Affäre führt, welche auf Abhängigkeit basiert, treibt den Konflikt voran und mündet in einem Liebeskarussell.

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Eine klassische Handlungsabfolge gibt es – wie üblich in Malick-Filmen – nicht. Vielmehr reiht sich ein Moment an den nächsten. Das können ganz banale oder schicksalhafte Situationen sein. Glückliche wie auch schmerzhafte. Es geht um das Erleben dieses einen Augenblickes, das vollkommene Spüren des Lebens. In starkem Kontrast dazu steht der schwerkranke Vater von BV, der in einer kurzen Szene auftaucht. Ans Bett gefesselt kann er die Welt kaum mehr mit seinen Sinnen wahrnehmen. Er vegetiert vor sich hin, wartet auf den erlösenden Tod.

Dialoge gibt es kaum. Eine Stimme aus dem Off gibt die Gedanken der Figuren preis und stellt mitunter existenzielle Fragen. Es wird viel musiziert, dennoch ist das Drama meilenweit entfernt von La La Land. Weltbekannte Musiker spielen kleinere oder größere Rollen: Pattie Smith, Iggy Pop, Red Hot Chili Peppers, Lykke Li.

Song to Song feiert das Leben in all seinen Facetten. Auch wenn der Film weniger bildgewaltig ist als The Tree of Life (2011), hinterher nimmt man die Welt ein Stück weit anders wahr. Man beginnt zu schätzen, was man spürt – mag es positiv oder negativ sein. Denn das lässt uns fühlen, dass wir am Leben sind.

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Bildmaterial: STUDIOCANAL / Van Redin