Ausstellung: Gut Wahr Schön

Letzte Chance: Noch bis Ende der Woche zeigt die Kunsthalle München Meisterwerke des Pariser Salons. Die Ausstellung Gut Wahr Schön rückt dabei anhand von über 100 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Objekten aus dem Pariser Kunstmuseum Musée d’Orsay, die größtenteils noch nie in Deutschland zu sehen waren, die Künstler des Pariser Salons in den Fokus.

Gut, wahr, schön – so definierte Platon die höchsten Ideale. Und dieser Auffassung war man auch an der Pariser Kunstakademie im 19. Jahrhundert. Um im staatlich gelenkten Kunstbetrieb Fuß fassen zu können, führte kein Weg an einer akademischen Ausbildung an der École des Beaux-arts vorbei. Das Gute und Wahre in der Schönheit der Form zum Ausdruck bringen, war die Aufgabe der Studierenden. So hatten sich die Künstler an den antiken Vorbildern zu orientieren, die ihrer Auffassung nach die schönsten und vollkommensten Kunstwerke geschaffen hatten. Antike Skulpturen verkörperten nicht nur das Idealschöne, sondern auch das Edle und Gute, die Götter und Helden der antiken Mythologie dienten als Tugendvorbilder. Die Historienmalerei, die neben historischen auch mythologische und biblische Begebenheiten sowie Allegorien umfasste, galt als höchste Gattung in der Kunst. Als einer der wichtigsten nationalen Vertreter dieser Gattung, Jean-Auguste Ingres, 1867 verstarb, machte sich eine junge Künstlergeneration daran, die Historienmalerei für ihre Zeit neu zu erfinden.

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Der Mensch steht im Mittelpunkt der traditionellen Historienmalerei. Die Darstellung des menschlichen Körpers, die die Nachwuchskünstler durch Aktstudien erlernten, war zentraler Teil der Ausbildung. Der Akt musste stets in einen mythologischen oder religiösen Kontext eingebettet sein. Doch dem modernen Publikum in einer industrialisierten und rationalisierten Gesellschaft konnte man über Götter und Helden keine moralischen Werte mehr vermitteln. Die schönen Körper wurden als leere Hüllen empfunden, der Kontext nur als Alibi für die Darstellung von Nacktheit. Der männliche Akt verlor in der modernen Zeit an Bedeutung, weil kriegerischer Mut und physische Kraft in Bedeutung verloren hatten. Dagegen galten beim weiblichen Akt, der den männlichen ablöste, immer noch alte Tugenden wie Reinheit und Schamhaftigkeit als schicklich wie bei William Bouguereau. Dessen glatten, ästhetisierten Figuren kontrastieren andere Künstler wie Léon Bonnat mit drastisch realistischen, von Alter und Entbehrung gezeichneten Charakteren.

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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewinnen Genreszenen und Darstellungen des Alltagslebens immer mehr an Bedeutung in der französischen Kunst. Anstatt mythologischer Helden werden Bauern und einfache Leute zu den neuen Helden der Bildsujets. Sie werden monumental in großen Formaten in Szene gesetzt, die Grenzen zwischen den Gattungen lösen sich immer mehr auf. Nicht mehr ideale Schönheit, sondern Charakter, Authentizität und Ursprünglichkeit waren gefragt. Die Schüler der akademischen Maler machten die objektive Wirklichkeit des Naturalismus im Salon populär, der 1880 inzwischen nicht mehr in staatlicher Hand war, sondern die Künstler selbst hatten die Organisation der Ausstellungen übernommen.

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Als Gegenposition zum Naturalismus entwickelte sich zur gleichen Zeit der Symbolismus. Darin angestrebt wird der Rückzug aus einer rational erklärten, wissenschaftlich vermessenen Wirklichkeit in eine geheimnisvolle Welt antiker und germanischer Mythen, Legenden, Märchen und Träume. Keine moralischen Botschaften, sondern stimmungsvolle Bilder mit rätselhaften Symbolen, Träume, Fantasien und Ängste machen diese Kunstströmung aus. Weder gibt es einen gemeinsamen Stil, noch eine klare, eindeutige Bildaussage.

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Die Ausstellung Gut Wahr Schön ist nur noch bis 28. Januar in der Kunsthalle München zu sehen.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8 (Fünf Höfe), 80333 München, täglich von 10 bis 20 Uhr

Bildmaterial:

1) Joseph Blanc (1846-1904), Perseus, 1869, 302 x 174cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | Patrice Schmidt

2) Alexandre Cabanel (1823-1889), Das verlorene Paradies, 1867, 122,5 x 93,3 cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | Patrice Schmidt

3) William Bouguereau (1825-1905), Die Geburt der Venus, 1879, 300 x 215 cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

4) Léon Bonnat (1833-1922), Hiob, 1880, 161 x 129 cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | René-Gabriel Ojéda

5) Jules Bastien-Lepage (1848-1884), Die Heuernte, 1877, 180 x 195 cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

6) Alphonse Osbert (1857-1939), Die Gesänge der Nacht, 1896, 76,5 x 123,2 cm, Öl / Leinwand, Musée d’Orsay © bpk | RMN – Grand Palais | Patrice Schmidt