Berlinale 2018

Für so manche Überraschung bei der Preisvergabe sorgte die Jury mit dem Präsidenten Tom Tykwer auf der 68. Berlinale, die am Samstag zu Ende ging. Die beiden wichtigsten Bären gingen an weibliche Filmschaffende – ein starkes Signal in Zeiten der MeToo-Bewegung. Die deutschen Beiträge gingen hingegen leer aus. Auch waren es die vorletzten Filmfestspiele unter Festivaldirektor Dieter Koslick, der 2019 nach 18 Jahren das Zepter abgibt.

Berlinale_2018

 

Der Goldene Bär für den besten Film ging unerwartet an Touch Me Not von Adina Pintilie. In dem experimentellen Film geht es um Intimität – körperlich wie auch seelisch. Zu viel für manche Zuschauer, die bei der Premiere den Kinosaal verließen. Der Erstlingsfilm der rumänischen Regisseurin gibt intime Einblicke in das Leben und die Gefühlswelt von Laura, Tómas und Christian. Sie sehnen sich nach Intimität, aber erst, wenn sie ihre Angst davor überwinden, gelingt es ihnen, frei zu sein. Mit dem Großen Preis der Jury wurde Twarz von Małgorzata Szumowska ausgezeichnet. Der polnische Beitrag handelt von einem jungen Rebellen in der Provinz, der gerne provoziert, bis ein schwerer Arbeitsunfall sein Leben und sein Aussehen verändert, denn er bekommt eine Gesichtstransplantation.

 

Der Alfred-Bauer-Preis ging an Las herederas über ein ungleiches Frauenpaar von Marcelo Martinessi aus Paraguay. Eine Gefängnisstrafe und somit eine räumliche Trennung lässt die starren Rollen innerhalb ihrer Beziehung aus den Fugen geraten. Durch eine schicksalhafte Begegnung mit einer jungen, lebensfrohen Frau entdeckt Chela ihre eigenen zurückgestellten Sehnsüchte neu. Für ihre schauspielerische Leistung in der Rolle der Chela erhielt Ana Brun den Preis für die beste Darstellerin. Als bester Darsteller wurde Anthony Bajon ausgezeichnet. In La prière von Cédric Kahn spielt er einen jungen Mann, der in einem abgelegenen Haus in den französischen Bergen zusammen mit anderen Abhängigen mithilfe von Gebet, harter körperlicher Arbeit und dem Erfahren von Solidarität von den Drogen loskommen soll.

Für seinen zweiten Animationsfilm nach Der fantastische Mr. Fox erhielt Wes Anderson den Preis für die beste Regie. Isle of Dogs, mit dem die Berlinale eröffnet worden ist, handelt von einem 12-jährigen Jungen und einem Rudel Hunde, die aus der Stadt auf eine Mülldeponie verbannt worden sind. Zusammen begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise. Der Preis für das beste Drehbuch ging an Manuel Alcalá und Alonso Ruizpalacios für Museo von Alonso Ruizpalacios. Die Geschichte des Films basiert auf einer wahren Begebenheit im Jahr 1985. Zwei Studenten steigen in das Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt ein und stehlen Heiligtümer alter Kulturen. Der Coup gelingt, doch mit dem dilettantischen Plan, die Beute zu versetzen, beginnt ein Roadmovie zwischen Maya-Ruinen und dem Badeort Acapulco.

 

Film-Tipp:

John (Joaquin Phoenix) ist ein junger Mann mit einem Alkoholproblem und einer Vorliebe für schräge Witze. Er lässt sich zu einer Sauftour durch Los Angeles überreden – und wacht am nächsten Morgen querschnittsgelähmt in einem Krankenhaus auf. An den Rollstuhl gefesselt hilft ihm sein Humor und enge Vertraute, wieder Sinn in seinem Leben zu finden. Er nutzt seine scharfe Beobachtungsgabe und sein künstlerisches Talent, um menschliche Erfahrungen in Cartoons zu verwandeln. Gus Van Sant zeichnet in seinem biografischen Drama Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot, das auf den Memoiren des Cartoonisten John Callahan basiert, das Porträt eines Menschen, der mit Einschränkungen leben muss und sich auf die Suche nach Identität begibt.

 

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Plakat: © Internationale Filmfestspiele Berlin / Velvet Creative Office

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