Film: Shape of Water

Mit 13 Nominierungen ist Shape of Water – Das Flüstern des Wassers Favorit bei der heutigen Oscar-Verleihung. Von Fantasy, Komödie, Actionthriller über Liebesfilm, Melodram und Musical streift das neueste Werk des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro sämtliche Filmgenres und erzählt die Geschichte einer zärtlichen Liebe zwischen einer stummen Putzfrau und einem Wunderwesen in den repressiven 60er Jahren.

Shape_of_Water_2

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges wird in einem Geheimlabor der US-Regierung eine Kreatur aus dem Amazonas, halb Amphibie, halb Mensch, gefangen gehalten, um es im Wettstreit mit der Sowjetunion in der bemannten Raumfahrt einzusetzen. Die Reinigungskraft Elisa (Sally Hawkins) entdeckt das Wesen (Doug Jones) und entwickelt Gefühle dafür. Als sie erfährt, dass eine Vivisektion der Kreatur gemacht werden soll, schmiedet sie einen Plan, um sie zu retten.

Shape_of_Water_1

Die Helden des Films sind Menschen, die ihr Anderssein zusammenschweißt: zwei Putzfrauen, die eine stumm, die andere Afroamerikanerin, und ein schwuler Maler. Die Handlung ist im Amerika der 60er Jahre angesiedelt, in einer Zeit, in der die Ausgrenzung von Minderheiten ganz offen zutage trat. Und so strotzen die Dialoge nur so von Rassismus, Sexismus und Homophobie. Diese Gesellschaft repräsentiert Richard Strickland (Michael Shannon), Sicherheitschef des Geheimlabors, als weißer, heterosexueller Mann und Familienvater, der nach Macht und Prestige giert. Sein hart erarbeitetes Geld investiert er in teure Statussymbole. Um seinen Status quo zu erhalten, würde er sogar über Leichen gehen. Er kennt keine Skrupel und wendet Gewalt gegenüber der fremden Kreatur an. Ihr andersartiges Aussehen und ihre Unfähigkeit zu sprechen verleiten Strickland dazu, ihr alle Rechte abzusprechen. Empathie ist ihm fremd. Am Ende ist er es, der sich als wahres Monster entpuppt, während das Wasserwesen in der Lage ist, Gefühle zu entwickeln.

Shape_of_Water_3

Elisa und die Kreatur verbindet mehr, als man auf den ersten Blick meinen mag. Beide wurden im Wasser gefunden, beide sind allein, beide können nicht sprechen, auch im übertragenen Sinne: Sie haben in dieser kalten Welt nichts zu sagen, wohingegen sie in ihrer eigenen Welt eine Form der Kommunikation untereinander finden. Beide befinden sich außerhalb der Norm. Elisa fühlt sich von dem Wesen angenommen so wie sie ist, ihre Unvollkommenheit nimmt es nicht wahr. Sie ist eine sanftmütige, empathische Heldin und fest entschlossen, sich für das moralisch Gute über die Regeln des Systems hinwegzusetzen. Sie muss dabei nicht körperlich kämpfen, sondern setzt ihren Verstand ein und entwirft einen ausgeklügelten Plan. Damit rettet sie den „(Fisch-)Mann“, ihre Liebe. Eine einfache Putzfrau, die ganz unten in der Rangordung steht, die Sexismus vonseiten ihres mächtigen Vorgesetzten erfährt und ihre eigene MeToo-Geschichte erzählen kann. Sollte Shape of Water den Oscar als bester Film gewinnen, wäre das ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung und Unterdrückung jeglicher Art.

 

Fotos: © 2017 Twentieth Century Fox

 

Advertisements