Film: Loving Vincent

Biopics über Künstler gibt es viele. Loving Vincent aber wagt etwas Außergewöhnliches: Der Film nimmt die Gemälde des Malers Vincent van Gogh als Grundlage und versetzt diese in Bewegung, um sein tragisches Leben und Sterben zu beleuchten. Am 25. Mai erscheint der Film auf DVD.

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Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) (© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.)

Ein Ausschnitt aus Sternennacht, einem der bekanntesten Gemälde Vincent van Goghs: Der Vollmond steht oben am Himmel. Dicke gelbe Pinselstriche verleihen ihm seine Form. Umgeben ist der Himmelskörper von nächtlichem Blau in verschiedenen Nuancen. Doch das Motiv ist nicht starr – die Pinselstriche rotieren. In anderen Bildern sind es Windmühlen, deren Flügel sich drehen, Kamine, die qualmen, Kutschen, die sich fortbewegen, Krähen, die durch die Lüfte flattern. Gemälde erwachen zum Leben.

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Armand Roulin (Douglas Booth) (© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.)

Mit Loving Vincent ist etwas gelungen, das für unrealisierbar gehalten wurde: aus Gemälden einen Film zu machen. Loving Vincent ist der weltweit erste gemalte Animationsfilm in Spielfilmlänge. Ein Mammutprojekt für alle Beteiligten. Es hätte auch einfach nur ein Animationsfilm werden können. Doch die polnische Malerin und Filmemacherin Dorota Kobiela wollte – nachdem sie die Briefe und Werke des niederländischen Malers studiert hatte – dessen Geist und Schaffensprozess treu bleiben. Und so sollten alle Szenenbilder mit Ölfarbe handgemalt werden. Fast 67.000 Frames entstanden auf diese Weise, über 100 Künstler waren daran beteiligt, sechs Jahre dauerte die Produktion. Zusätzlich wurden die Szenen mit echten Schauspielern gedreht und mithilfe von visuellen Effekten und Computeranimation zu Bewegtbildern im Stil van Goghs verarbeitet. Nicht nur visuell ist der Film ein Genuss. Aufgebaut wie eine Kriminalgeschichte geht die Story den Fragen nach, wie und warum das Malergenie mit nur 37 Jahren sterben musste.

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© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Der Film spielt im Jahr 1891, ein Jahr nach van Goghs Ableben. Weil es zu den Todesumständen Ungereimtheiten gibt und weil ihm ein Brief von Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) – unterschrieben mit „Loving Vincent“ – an dessen Bruder Theo van Gogh in die Hände fiel, beauftragt der Postbote Joseph Roulin (Chris O’Down), ein guter Freund des Verstorbenen, seinen Sohn Armand Roulin (Douglas Booth), den Bruder ausfindig zu machen. Dieser, anfangs wenig begeistert von diesem Auftrag, begibt sich mit dem Brief auf die Suche nach dem Empfänger. Er trifft auf Weggefährten des Malers, die ihn zum Teil Widersprüchliches aus dessen Leben berichten. Armand Roulin schlüpft in die Rolle eines Ermittlers und versucht, die letzten sechs Wochen im Leben des Malers zu rekonstruieren.

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Marguerite Gachet (Saoirse Ronan) (© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.)

Diese verbrachte van Gogh – nach seinem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt – in Auvers-sur-Ois nahe seines Arztes und engen Freundes Dr. Paul Gachet (Jerome Flynn). Der Maler galt als geheilt, wirkte gelassen, war äußerst produktiv. Sechs Wochen später war er tot. Gestorben an den Folgen eines Bauchschusses. War es Selbstmord, ein Unfall oder gar Mord? Der Film beleuchtet alle Szenarien und rätselt über die möglichen Motive. War Vincent doch nicht geheilt, war er unglücklich verliebt oder hat sein Bruder Theo etwas mit seinem Tod zu tun? Im Verlauf seiner Nachforschungen verändert sich Armands Blick auf den zu Lebzeiten verkannten Maler komplett. Beim Eintauchen in dessen Leben, das in schwarzweißen Rückblenden gezeigt wird, erkennt er nicht nur, dass dieses von Scheitern und Leiden geprägt war, sondern auch seinen neugierigen und sensiblen Blick auf die Welt, dem er in seinen Bildern Ausdruck verlieh, und nicht zuletzt seine Genialität, die ihn in nur acht Jahren von einem Amateur zu einem der einflussreichsten Maler der Moderne machte.

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Jerome Flynn – Van Goghs Portrait von Dr. Gachet – Szenenbild Loving Vincent (© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.)

Etliche bekannte Motive van Goghs sind im Film wiederzuerkennen, darunter Sternennacht, Das Nachtcafé, Die Brücken von Asnières, Kornfeld mit Krähen und einige Porträts seiner Weggefährten. Getreu der Entwicklung des Malers verändern sich auch die Stile im Film. Die wunderbar melancholische Musik von Clint Mansell spiegelt dabei das Seelenleben des Künstlers wider. In Loving Vincent lernt man den Menschen Vincent van Gogh und sein Œuvre auf eine neue Weise kennen und lieben.

 

 

 

Bildmaterial via Weltkino

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