Film: Augenblicke

Zwei Künstler, eine Mission: Der Fotograf JR und die Filmemacherin Agnès Varda begeben sich auf die Suche nach Gesichtern, die Geschichten erzählen. Verewigt als Denkmäler auf Fotopapier stellen sie diese öffentlich aus. Der Dokumentarfilm Augenblicke – Gesichter einer Reise kommt am 31. Mai in die Kinos.

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Die bald 90-jährige Agnès Varda ist eine französische Filmemacherin, Fotografin und Installationskünstlerin. Sie gilt als eine der führenden Filmemacherinnen der Nouvelle Vague. JR ist ein französischer Fotograf und Streetart-Künstler. Bekanntheit erlangte er durch seine großformatigen Schwarzweißfotografien von Menschen, die er an öffentlichen Plätzen zur Schau stellt.

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Zusammen machen sich die beiden ungleichen Charaktere auf einen Roadtrip der besonderen Art. Ihr Gefährt: Ein zu einem fahrenden Fotoautomaten umgebauter Van – ein Fotoapparat auf vier Rädern. JR und Agnès Varda tuckern kreuz und quer durch Frankreich, immer auf der Suche nach interessanten Gesichtern. Keine Models, sondern Menschen von nebenan mit verborgenen Geschichten, die nicht an die breite Öffentlichkeit dringen. Diese Menschen spüren die Beiden auf. Mal bekommen sie einen Tipp, mal sind es reine Zufallsbegegnungen.

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Unter ihnen ist die letzte Bewohnerin einer Bergarbeitersiedlung, die abgerissen werden soll. Alte Bilder von Bergarbeitern werden vergrößert und als Mahnmal an die Häuserfassaden geklebt. Oder der Landwirt, dem die moderne Technik nicht nur Arbeitserleichterung, sondern auch Einsamkeit gebracht hat. Eine Kellnerin, die zu unverhoffter Bekanntheit kommt. Fabrikarbeiter, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Schichten nie in der Arbeit treffen. Und der Hippie-Rentner, der zwar nicht viel besitzt, aber dankbar ist für alles, was ihm das Leben geschenkt hat.

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All diese Menschen lassen sich im mobilen Fotoautomaten ablichten, der die Schwarzweißbilder sofort ausdruckt. Heraus kommen eindringliche Porträts von unverbrauchten Gesichtern. Um ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihnen gebührt, werden die Fotos auf öffentliche Gebäude, Mauern, Hauswände und Scheunen plakatiert. Passanten bleiben davor stehen, betrachten voller Staunen die Kunstwerke, fotografieren sie – und wollen die Geschichten dieser unbekannten Menschen erfahren. Und die Porträtierten selbst sind ergriffen von ihrem monumentalen Abbild. Auf diesem Wege werden sie verewigt.

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JR und Agnès Varda bilden ein unschlagbares Kreativteam, das die Liebe zu Bildern und ein feines Gespür für Menschen und Augenblicke verbindet. Auf ihrer fotografischen Reise werden alte Erinnerungen wieder lebendig. Während über große Themen wie Vergänglichkeit gesprochen wird, entsteht eine zarte Freundschaft zwischen den beiden Künstlern. Mit den Denkmälern auf Fotopapier erfüllt der Fotograf mit der Sonnenbrille zugleich den größten Wunsch der nicht mehr ganz jungen Regie-Ikone:

Er fotografiert die Gesichter der Menschen, denen ich begegne, damit ich sie niemals vergesse.

 

 

Bildmaterial: © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016 via Weltkino

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